Ökologie und integriertes Borkenkäfermanagement

Aktualisiert: 14. Sept.

Das Büro für Wildökologie und Forstwirtschaft forscht gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur und mit dem Bundesforschungszentrum für Wald an Frühwarnsystemen zum Schwärmen der Borkenkäfer.


Bevor jedoch der Borkenkäfer schwärmt kann durch Waldbaumaßnahmen das Risiko von Massenvermehrungen der Käfer reduziert werden.


Bild: Kleine Baumartenvielfalt; Foto: H. Leitner


Die beste Strategie im Umgang mit dem Borkenkäfer ist ein der forstschreitenden Erderwärmung angepasster Waldbau.


Das Ziel sind resiliente Wälder, die den zahlreichen aktuellen und kommenden Herausforderungen, wie Sturm, Dürre, Borkenkäfer oder Waldbrand überstehen und ihre wertvollen Leistungen für die Gesellschaft – und zwar die Nutz-, Schutz-, Wohlfahrts- und Erholungsfunktion - weiterhin erbringen können.


Das kann der Waldbauer oder die Waldbäurin tun:


Baumartenwahl entsprechend der natürlichen Waldgesellschaft

  • potenziell natürliche Waldgesellschaften berücksichtigen

  • seltene Baumarten fördern (Eibe, Speierling, Elsbeere...)

  • Umwandlung naturferner Monokulturen in Mischwälder

  • vorhandene Mischbaumarten fördern

Naturverjüngung forcieren

  • rechtzeitig mit Vorausverjüngung beginnen

  • Femel- und Plenternutzung bevorzugen

  • auf Kahlhiebe verzichten

  • Dauerwaldbewirtschaftung anstreben

Widerstandskraftkraft der Wälder erhalten und fördern

  • Baumarten mit höherer Temperatur- und Trockenheitstoleranz bevorzugen

  • notwendige technische Borkenkäferbekämpfung rechtzeitig durchführen

  • Verzicht auf Pflanzenschutzmittel im Wald

Schalenwildbestände anpassen

  • An den natürlichen Lebensraum angepasste Schalenwildbestände fördern eine artenreiche standortheimische Flora

  • Natürliche Verjüngung standortangepasster gemischter Altbestände sollte ohne Schutzmaßnahmen möglich sein

  • Konsequente Jagd in Schutzwäldern des Hochgebirges

  • Bestandesschwankungen beim Schalenwild zulassen

  • Rehwildfütterung einstellen, wenn überhaupt, dann wohlüberlegte Rotwildfütterung

  • Schalenwildfütterung verlangt erhöhten Abschuss

Bodenschutz

  • Der Boden ist zentrale Lebensgrundlage unserer Waldökosysteme und verdient höchsten Schutz

  • Gesunder Boden ist Grundvoraussetzung für den Rückhalt von Wasser im Wald und kann so Starkwetterereignisse mildern

  • Befahren vermeiden, wenn dann nur auf ausgewiesenen Rückegassen und diese durchdacht anlegen

  • Boden- und Witterungsbedingungen beachten und geeignete Technik mit umweltverträglichen Treibmitteln verwenden

  • Humusverluste vermeiden, keine Bodenfreilegung

Wassermanagement

  • Tiefwurzelnde Baumarten fördern und dauerhaft in Bestockung halten

  • Hochwasserschutz durch verbesserte flächige Wasserrückhaltung (Bewuchs, Totholz, Astmaterial)

  • Anzahl der Wasserabkehren an Forststraßen und Rückewegen erhöhen und instandhalten (Zuständigkeiten klären!)

  • Neuerschließungen auf das unbedingt nötige Ausmaß beschränken


Bild: Leiterbock, Foto: S. Wohlfahrt


Vielfalt erhöhen

Eine Vielfalt an Lebensräumen ermöglicht eine Vielfalt an Arten und Funktionen im Ökosystem.

  • Kleinbiotope und Sonderstandorte wie Hochmoor- und Moorrandwälder, Kleingewässer, Bruchwälder, Block- und Hangschuttwälder fördern und erhalten

  • Totholzanteil qualitativ und quantitativ steigern, sowohl liegend als auch stehend (unter Berücksichtigung der Wegesicherung und Arbeitssicherheit)

  • Ökologisch besonders wertvolle Wälder erhalten und bei gestörten Verhältnissen die Rückentwicklung fördern. Seltene Baumarten fördern.

  • Horst- und Höhlenbäume sowie Veteranenbäume und Habitatbaumgruppen erhalten und fördern

  • Auf Brut- und Aufzuchtzeiten Rücksicht nehmen, vor allem bei Maßnahmen am Waldrand

  • Wald- und Bestandesränder vielfältig und gestuft gestalten, indem dem Waldrand ausreichend Platz gegeben wird und reich blühende Baum- und Straucharten eingebracht oder gefördert werden

  • Strukturreichtum und Phasenvielfalt der Wälder durch geeignete Maßnahmen fördern

  • Altbäume und Altholzgruppen erhalten

  • Bei der Waldbewirtschaftung und der Jagdausübung die besonderen Ansprüche geschützter Tier- und Pflanzenarten berücksichtigen

Bild: Geringe Diversität, hohe Schadanfälligkeit. Foto: H. Leitner


Umgang mit abgestorbenen Käferbäumen oder Totholz


Sofern die Käfer schon ausgeflogen sind und keine Gefahr der Borkenkäfervermehrung mehr besteht und keine wirtschaftliche Notwendigkeit zum Verkauf der dürren Bäume besteht, hat es folgende Vorteile, wenn diese im Wald belassen werden:


Stehende Bäume:

  • Lawinen- und Erosionsschutz

  • Verbessertes Kleinklima für die Jungpflanzen: Beschattung, weniger Austrocknung, erhöhte Feuchtigkeit, weniger Wind, geringerer Schneeschub

  • Entfall der Rückekosten


Liegende Bäume:

  • Erhöhter Lawinen- und Erosionsschutz

  • Wasserrückhaltung und Wasserspeicherung

  • Verbessertes Kleinklima für die Jungpflanzen: Beschattung, weniger Austrocknung, erhöhte Feuchtigkeit, weniger Wind, geringerer Schneeschub

  • Nährstoffe bleiben im Wald

  • Keimbett für Samen (Kadaververjüngung)

  • Verminderte Belaufbarkeit für Schalenwild vermindert den Verbiss und erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine rasche Regeneration des Waldes

  • Brutstätte für Borkenkäferschädlinge

 

Termine


Informationen zum Projekt via Zoom, am Mi 19.10.2022, Start: 18:30 Uhr (Link wird rechtzeitig zugesendet)


Schulungsgermine zur Auswahl

Fr. 18.11.2022 in der HBLA in Bruck an der Mur (ST)

Fr. 25.11.2022 in der FAST Traunkirchen (OÖ)

Fr. 20.01.2022 in der LFS Litzlhof (K)


Anmeldungen unter christiane.gupta@oekl.at oder telefonisch (01-505 18 91-18).

Die Teilnahme erfolgt kostenlos und unverbindlich.


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