• Stephanie Wohlfahrt

Die Fichte als Helfer im Kampf gegen den Borkenkäfer?

Aktualisiert: Juni 9

In der Natur hängt alles mit allem zusammen. Pflanzen und Tieren stimmen ihre Entwicklung mit den klimatischen Bedingungen der Umgebung ab. Könnte es sein, dass gewisse Pflanzen genau zeitgleich mit dem Auftreten der Borkenkäfer blühen oder erste Blätter austreiben? Könnte anhand der Pflanzenentwicklung der Käferflug vorhergesagt werden?

Der Frage des zeitliche Zusammenhangs zwischen dem ersten Frühjahrsflug der Borkenkäfer und der Pflanzenentwicklung ist die Gutsverwaltung Eberstein gemeinsam mit dem Büro für Wildökologie & Forstwirtschaft und der Landesforstdirektion Kärnten nachgegangen.


Fichtenmaitrieb (Foto. St. Wohlfahrt)


Die Beobachtung der Phänologie, also der witterungs- und klimaabhängigen jahreszeitlichen Entwicklung von Pflanzen und Tieren, hat eine lange Tradition. Pflanzen reagieren sensibel auf Temperaturänderungen und können als empfindliche Messinstrumente für lokale Klimaeinflüsse herangezogen werden. Jahr für Jahr verursachen Buchdrucker sowie in geringerem Ausmaß Kupferstecher schwere Schäden in heimischen Wirtschaftswäldern und damit einhergehend hohe finanzielle Einbußen für die Waldbesitzer und verminderte Ökosystemleistungen des Waldes für die Gesellschaft. Durch die Klimaerwärmung schwärmen die Käfer immer früher im Jahr und legen ihre erste Brut entsprechend früher an. Bis zu drei Generationen gehen sich da in manchen Gebieten jedes Jahr aus! Im Frühjahr ist es umso wichtiger, die erste Käfergeneration nicht zu übersehen, um rechtzeitig befallene Bäume aus dem Bestand entnehmen zu können.


Ein Pilotprojekt im Gebiet der Gutsverwaltung Eberstein in Kärnten hat sich erstmalig mit dieser Problematik beschäftigt. Insgesamt 83 krautige und holzige Pflanzenarten wurden von Ende Februar bis Ende Mai in ihrer Entwicklung beobachtet und mit der Aktivität der beiden Borkenkäferarten im Gebiet verglichen. Dabei wurden auch die Höhenlage und die Ausrichtung der Untersuchungsflächen berücksichtigt.


Rosenkäfer auf Wolligem Schneeball (Foto: St. Wohlfahrt)


Das interessante Ergebnis ist, dass die Fichte als Wirtsbaum das Eintreten des Käferfluges präzise anzeigen kann, wenn man auf den Maitrieb achtet. Dieser erfolgte in der tiefmontanen Lage auf rund 700 Meter Seehöhe zeitgleich mit dem ersten Flug von Buchdrucker und Kupferstecher. Beim Maitrieb fallen die braunen Knospenschuppen ab und die ersten grünen, noch gebündelten Nadeln werden sichtbar. In der mittelmontanen Höhenstufe auf etwa 1.200 Meter Seehöhe wurden die Käfer im Beobachtungsjahr erst Ende Mai und damit sehr spät aktiv. In diesem Fall war der Maitrieb der Fichte bereits durchschnittlich drei Wochen vor dem Käferflug zu sehen.

Blattentfaltung beim Roten Holunder (Foto: St. Wohlfahrt)


Weitere Pflanzenarten erwiesen sich als wahrscheinlich hilfreich bei der Käferprognose. So erfolgte der Blühbeginn des Schwarzen Holunders in der tiefen Lage zur gleichen Zeit wie der erste Schwärmflug des Buchdruckers in der mittleren Lage. Das Leberblümchen wiederum hatte seine Blüte soeben beendet, als die ersten Borkenkäfer in den dafür errichteten Lockfallen eintrafen.


In weiteren Langzeitbeobachtungen dieser ersten potenziellen Indikatorarten für den Borkenkäferflug in verschiedenen Wuchsgebieten und Höhenlagen in Österreich sollen die Ergebnisse in den kommenden Jahren bestätigt werden. Bis dahin kann jeder selbst aktiv werden und die beobachteten Zusammenhänge in seinem eigenen Wald überprüfen!



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DI Horst Leitner

Büro für Wildökologie und Forstwirtschaft e.U.

Anton-Gassner-Weg 3

9020 Klagenfurt am Wörthersee

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