Wieviel Erde braucht der Mensch?

Ein Mann namens Pachom erhält für einen im Vorhinein ausgemachten Betrag so viel Land, wie er von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu Fuß umrunden kann. Da er bei bester körperlicher Verfassung ist, erwartet er sich, aus dem Geschäft sehr gut auszusteigen. Er geht den ganzen Tag, immer schneller, schließt diese und jene Wiese noch ein, um möglichst viel Land zu bekommen. Als die Sonne schon sehr tief steht, sieht es ganz so aus, als würde er den Ausgangspunkt nicht mehr rechtzeitig erreichen und damit das eingesetzte Geld verlieren. Mit einer letzten Anstrengung schafft er es doch noch rechtzeitig zum Ausgangspunkt und bleibt erschöpft am Boden liegen.

Als der Knecht ihm zu seinem Erfolg gratulieren will, bemerkt er, dass sein Herr - am Ziel angelangt - gestorben ist. Er schaufelt ihm an Ort und Stelle ein Grab, "genau so groß, wie Pachom es braucht - an die drei Arschin lang -, und bettet seinen Herrn zur ewigen Ruhe.“


Nach Leo Tolstois „Wieviel Erde braucht der Mensch?“ aus R. Steurer 2001: Der Wachstumsdiskurs in Wissenschaft und Politik: Von der Wachstumseuphorie über „Grenzen des Wachstums“. Diss. Univ. Sbg. 626 S.

Published on  17.11.2014